Archiv

Archiv für Januar 2009

Büle – 9 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 9 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 9 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 8 -)

Und während der Mond da oben so vor sich hin grübelte und über sich und die Welt weinte, warf er ab und zu einen Blick herunter auf die Erde und sah wie sich Cloac auf dem Besen ihrem Ziel näherte. Dort unten, in der sonnenlosen Dunkelheit von Cloacland, stand ihr Schloss.

Ja, Cloac lebte in einem richtigen Hexenschloß, das sie selbst gezaubert hatte.

Damals war sie bei einer Flugprobe auf ihrem frisch gezauberten Besen an dieser Stelle abgestürzt. Es war der Jungfernflug mit ihrem neuen Besen, und während dieser so schön ruhig durch die Luft glitt, war sie eingeschlafen … und kurz darauf weckte sie der harte Aufschlag auf dem Boden! Und während sie noch halb benommen den Staub aus ihren Kleidern klopfte, schwor sie sich, daß ihr so was nie wieder passieren würde. Da sie allerdings in keinem Fall auf das Schlafen verzichten wollte, entschloß sie sich einen Selbststeuerungsknopfan dem Besen anzubringen und seitdem hatte er sich schon oft als sehr nützlich herausgestellt.

Jedenfalls stand sie damals da, und um sie herum war gar nichts, und auch als sie alle vier Himmelsrichtungen abgesucht hatte, war ihr in diesem Gegend niemand begegnet. Nur im Wald war ihr eine Eule die ganze Zeit hinterher geflogen. Also dachte sie, wenn hier niemand wohne, so könne es nur ihr Land sein. Schließlich war auch niemand da um ihr zu widersprechen, und sie nannte diesen Ort “Cloacland”.

Danach verbrachte sie Stunden um Stunden damit sich in Büchern, die sie nach Bedarf zauberte, alle mögliche Hexenschlösser anzusehen. Sie beschäftigte sich ernsthaft mit Innen- und Außenarchitektur, merkte sich von alle dem was sie sah, die Dinge die ihr am bestens gefielen. Insbesondere fand sie in einem der Fachbücher für Hexenschlösser ein Schloss, bei dem einer der Türme eine große Schlafmütze trug und solch einen Turm mit Schlafmütze wollte sie unbedingt haben. Als sie schließlich endgültig wusste, wie ihr Traumschloß auszusehen hatte, studierte sie Tage lang in ihrem Hexenbuch wie ein solches zu zaubern sei und zum Schluß sprach sie den richtigen Zauberspruch aus und dieses prächtige Schloss stand vor ihr. Zwar waren nicht alle Winkel und Türme gerade, und nicht alles genügte den Gesetzen der Perspektive, aber im Großen und Ganzen war es genau das richtige Schloss für eine kleine Hexe, und vor allem trug einer der Türme tatsächlich eine wunderschöne Schlafmütze.

Danach vertiefte sich Cloac in einige Modemagazine, auf der Suche nach der angemessenen Kleidung für die Herrin eines solch prächtigen Schlosses und fand auch alsbald das richtige für sich: einen langen, Hut und einen weiten, lilafarbenen Umhang, alles Ton in Ton. Und dann betrat Cloac ihr neues Zuhause, gefolgt von der Eule, die ihr aus dem Wald nach geflogen war. Cloac hatte am Anfang versucht den Vogel wegzuscheuchen aber die Eule weigerte sich zu wegzufliegen und schrie immer nur “Hibu, Hibu” undschließlich hatte es Cloac aufgegeben und sie bei sich geduldet.

Ja, sie gab ihr sogar einen Name: Hibu. Aber meistens nannte sie sie nur “dummer Vogel”.

Nun aber näherte sich Cloac ihrem schon seit Tagen verlassenen Schloß, das erste mal übrigens, daß sie eine so lange Reise auf ihrem Besen machte und dieser hatte einwandfrei funktioniert. Sie spürte die Freude in ihr Herz hoch steigen, die Freude wieder Zuhause zu sein und Hibu wiederzusehen. Denn obwohl Cloac eine richtige Hexe war, war sie nicht ganz so böse und ganz so häßlich wie die Hexen in den Geschichten, und es passierte ihr, daß sie sich manchmal richtig freute, ganz so wie es die Erdenwesen auch tun. Sie schämte sich zwar sehr deswegen und hatte öfter versucht sich richtige Bosheit einzureden, in dem sie tausend mal hintereinander solche Sätze wie

“Ich bin eine richtig böse, häßliche Hexe!”

oder

“ich will eine richtig böse, häßliche Hexe sein!”

oder

“Ich, die große, böse, häßliche Hexe Cloac …!”

laut zu wiederholen, aber es war ihr nie wirklich gelungen sich zu überzeugen, und da blieb ihr zum Schluss nichts anderes übrig als sich mit ihren Gefühlen abzufinden. Und sowieso, außer Hibu, war ja niemand da, der sie dabei erwischen konnte und wegen des dummen Vogels, wollte sie sich bestimmt keine grauen Haaren wachsen lassen!

(Fortsetzung Montag 02 Februar 2009)

Büle – 8 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 8 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 8 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 7 -)

Büle zog tatsächlich kein schönes Gesicht, denn nach der anfänglichen Freude jemanden zu treffen, hatte er vor dem hässlichen Gesicht der kleinen Hexe große Angst bekommen und wünschte sich nichts mehr als, dass sie sich ganz schnell auf ihrem grässlichen Besen wieder davon machte.

Und auch der Mond, in seiner alten Weisheit, der das schlimmste immer zu ahnen wußte, hatte ein komisches Gefühl im Magen. Wißt ihr nicht, daß der Mond seinen Magen in den Wangen hat und deshalb manchmal auch so dicke Wange? Und nun sah er jedenfalls, daß die vergnügt grinsende Cloac ein Netz aus ihrer Tasche holte und darin die Blase mit samt dem kleinen Büle einfing. Aber leider, leider, konnte der Mond nichts machen, und mußte zusehen, wie Cloac das Netz mit Büle und Blase vorne an den Selbststeuerungsknopf fest knotete und sich mit der Geschwindigkeit des Schattens in die Nacht entfernte.

Der Mond schloss die Augen, und Tränen rollten über seine vollen, runden Wangen, viele, viele Tränen, die auf die Erde herunter tropften. Und die Erdenwesen da unten gerieten bei diesem Anblick in Panik und fragten sich ob dies denn der von Naturpropheten längst angekündigte giftige Regen sei. Aber es war kein richtiger Regen, es waren nur Mondtränen, und es war das erste Mal, dass der Mond in seinem langen Leben, überhaupt weinte. Und selbst darüber verwundert, fragte er sich plötzlich was er da eigentlich tat, hier oben ganz alleine am Nachthimmel und zu was er denn gut sei, er, der nicht einmal Beine und Arme, nicht Flügel, Motor oder Besen hatte, nicht einmal einen Hut besaß er, und überhaupt fragte sich der Mond, was alles überhaupt sollte.

(Fortsetzung Donnerstag 29 Januar 2009)

Büle – 7 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 6 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 7 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 6 -)

Ein entsetzlicher Schrei erschreckte Büle, und dann sah er wie sich etwas auf dem Objekt bewegte. Und dieses etwas hatte einen Hut, und unter diesem Hut zwei große Augen, eines neben dem anderen, eine riesig dicke Nase und einen halboffenen, zahnlosen Mund und starrte Büle verständnislos an.

Alles, das fliegende Objekt, der Hut, die zwei Augen, eines neben dem anderen, die riesig dicke Nase, der zahnlose Mund gehörten zu einer kleinen Hexe namens Cloac. Sie hatte bis vor einigen Sekunden noch, auf ihrem Hexenbesen gemütlich geschlafen und von himmlischen Glaskugeln geträumt. Ja, das fliegende Objekt, obwohl es nicht ganz danach aussah, war trotzdem ein richtiger Hexenbesen, und das Wesen auf dem Besen war eine richtige Hexe, zwar etwas klein und noch nicht ganz geübt in der Anfertigung von Hexenbesen und allgemeiner etwas unerfahren in der Hexenkünsten, aber trotzdem eine richtige Hexe, wie man sie sonst nur in Märchen trifft.

Aber warum trieb sich Cloac denn nachts hier am Himmel herum anstatt in ihrem Hexenschloß in ihrem Bett zu schlafen, wie anständige kleine Hexe es normalerweise tun? Es war so, dass Cloac unbedingt eine ganz spezielle Glaskugel für ihre Hexenkunst brauchte, und in ihrem Hexenbuch stand geschrieben, daß man solche Kugeln nur am Himmel finden könnte, und so hatte sich Cloac. vor einigen Tagen auf den Weg gemacht, in der Hoffnung irgendwo eine solche Kugel zu finden.

Hier könntet ihr fragen wozu brauchte Cloac denn so eine spezielle Glaskugel? Tja … eine etwas peinliche Geschichte und ich will es euch nur ganz leise sagen, damit Cloac, die eine sehr empfindsame Hexe ist, nicht gleich wütend wird: sie hatte vor ein paar Tagen, während einer Hexerei, mit der sie versuchte die Sonne aus ihrem Versteck hinten den dicken Wolken heraus zu locken, einen Fehler bei einem Zauberspruch gemacht und daraufhin war die Sonne endgültig verschwunden, das heißt sie hatte sie weg gezaubert … so daß die Sonne in Cloacland nicht mehr aufging! …

Und so hatte sich Cloac auf dem Weg gemacht, auf der Suche nach einer himmlischen Glaskugel, die ihr helfen sollte ihre Sonne wieder hervorzuzaubern. Aber es war ihr bis jetzt keine solche begegnet und sie war irgendwann einmal, eigentlich öfter, eingeschlafen. Cloac schlief allgemein sehr gerne auf ihrem Besen unter freiem Himmel. Seitdem sie ihn mit einem Selbststeuerungknopf versehen hatte, konnte sie das auch gefahrlos und ganz nach Belieben tun. Nur beim starten und landen mußte sie wach sein. Nun aber kam unsere kleine Hexe langsam wieder zur Besinnung und nachdem sie sich einmal in den Arm gekniffen hatte um ganz sicher zu sein, daß sie nicht träumte, sah sie, unendlich glücklich, die schon lange ersehnte Glaskugel direkt vor sich. Endlich! Zwar bestand die Glaskugel nicht aus Glas sondern aus Seife, aber das wußte Cloac ja nicht, und wüßte sie es doch, so hätte sie es so schnell wie möglich wieder vergessen, zu froh war sie überhaupt irgendeine Himmelskugel gefunden zu haben. Zwar gab es auch darin dieses schreckliche Wesen, das so zappelte und jetzt ein häßliches Gesicht zog, und so was war nicht in ihrem Hexenbuch erwähnt worden, aber Cloac ließ sich dadurch nicht stören. Sie dachte, daß es in dem Buch ganz einfach vergessen worden wäre, und wenn nicht, dann gab es das eben extra, und ihr würde sicherlich schon irgendwas für den häßlichen Zwerg einfallen.

(Fortsetzung Montag 26 Januar 2009)

Büle – 6 -

bubble-boy-06-s

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 6 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 5 -)

Als es sich näherte, konnte der Mond es erkennen.

Schon öfter war es ihm begegnet, besonders in den Nächten wenn er so richtig schön rund war, und immer kam es ihm irgendwie verdächtig vor.

Es sah so ganz anders aus als alle anderen fliegenden Objekte, die er kannte. Es hatte keine Flügel wie die Vögel, die er da unten auf der Erde beobachten hatte und kein Motor wie das merkwürdige Objekt mit welchem die Menschen ihn damals besuchten.

Es war einfach nur ein langer Stab, mit zerzausten Haaren am dem einen Ende, und auf dem Stab, liegend oder sitzend, ein sonderbares Wesen, das den Wesen der Erde ein bisschen ähnlich sah, aber eine andere Farbe hatte.

Auch Büle sah es und stand wieder auf, begann erneut um Hilfe zu schreien und mit Armen und Beinen zu winken. Und so wie es an diesem Tag geschehen musste, dass ein kleiner Junge sich in einer der Seifenblasen befand, die der alte Mann am Fuß des großen Berges machte, so geschah in dieser Nacht ebenfalls das, was geschehen musste: die Blase und das fliegende Objekt stießen heftig zusammen!

(Fortsetzung Donnerstag 22 Januar 2009)

Büle – 5 -

bubble-boy-05-s

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 5 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 4 -)

Und genauso wie Büle die Kugel mit großen, weit aufgerissenen Augen anstarrte, starrte diese Kugel Büle an, denn auch sie hatte solche großen, weit aufgerissenen Augen. Dieser Kugel = es handelte sich dabei um unseren schönen, beliebten Vollmond – wunderte sich nicht wenig einer zweiten Kugel im Himmel zu begegnen, die genau wie er, zwei Augen hatte.

Bis dahin hatte er immer gedacht er wäre die einzige Kugel dieser Art im ganzen Universum!

Nie war ihm so was auf seiner langen, langen Bahn durch das All begegnet, und bestimmt nicht so eine, die so durchsichtig war und deren Augen an einem komischen Körper hingen, der ununterbrochen in der Kugel herum zappelte. Büle dagegen hatte keine Zeit sich zu wundern, und wahrscheinlich auch gar keinen Grund, er war einfach unendlich glücklich endlich jemanden zu treffen, der ihn sicherlich aus seinem Käfig befreien würde.

Er war wieder aufgestanden und hatte angefangen erneut zu schreien:

” Hilfe, Hilfe, Hilf mir bitte raus hier! “

und winkte mit Händen, Armen, Kopf und Beinen.

Aber die Seifenblase schwebte langsam am Mond vorbei, ohne daß dieser irgend etwas für den armen Büle hätte machen können und Büle verlor wieder jede Hoffnung. Auch der Mond hatte in der Zwischenzeit verstanden, daß Augen, Mund und Beine nicht zu der Kugel selbst gehörten, sondern zu einem dieser Wesen, die er schon oft auf der Erde da unten gesehen hatte und die immer so verträumt zu ihm hoch schauten. Daß das Wesen in der Seifenblase viel viel kleiner war als alle anderen Erdewesen konnte er nicht wissen, denn diese erschienen ihm da unten immer winzig klein.

Und einmal war es sogar vorgekommen, daß drei Erdewesen mit einem sonderbaren Objekt zu ihm hoch geflogen und auf seiner Wange gelandet waren. Rücksichtslos trampelten sie auf seinem Gesicht herum, und hätten ihn fast mit der spitzen Stange an der ein bunter Stoffetzen hing, ein Auge ausgestochen. Zum Glück flogen sie aber bald wieder davon. Das alles hatte den Mond sehr verwundert aber eigentlich auch nicht so sehr, denn diese Erdewesen schienen immer die sonderbarsten Anfällen zu haben. Am meistens staunte er wohl darüber, daß die drei im Vergleich zu den anderen die er gesehen hatte, riesengroß waren. Doch wie gesagt, diese Wesen hatten die sonderbarsten Anfällen und der Mond stellte sich keine weitere Fragen!

Und nun stand schon wieder eines dieser Wesen vor ihm, diesmal in einer durchsichtigen Kugel. Vor einigen Minuten noch zappelte es und zappelte, und machte den Mund auf und zu, wie ein Fisch -ja, der Mond kannte auch einen Fisch, einen ganz speziellen Fisch, den sogenannten Mondfisch-, jetzt aber saß das sonderbare Wesen wieder in seiner Kugel, ganz ruhig als wäre überhaupt nichts geschehen. Aber mit seiner ganzen Weisheit verstand der Mond, daß irgend etwas mit dem kleinen Jungen in der Kugel nicht in Ordnung war, doch er wußte nicht was es sein konnte. So entschloß er sich abzuwarten und zu sehen wie die Situation sich weiter entwickeln würde.

Und plötzlich sah er etwas, das direkt auf die Blase zuflog…

(Fortsetzung Montag 19 Januar 2009)

Büle – 4 -

bubble-boy-04-s

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 4 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 3 -)

Stunden vergingen, während dessen der kleine Junge -ich will ihn “Büle” nennen, weil “Büle” so schön rund nach Seifenblasen klingt- unablässig nach Hilfe schrie. Aber niemand hörte ihn und mit der Zeit stieg seine Blase immer höher und höher empor und langsam

wurde es Büle sehr schwindelig wenn er nach unten schaute, so schwindelig, daß er sich hinsetzen mußte und aufhörte in die Tiefe zu gucken.

Nun saß er da, unser winziger Büle, den Kopf tief zwischen die Schultern eingezogen, ganz alleine, ganz traurig in einer Welt, die für ihn bald nur noch aus einer Seifenblase und aus dem umgebenden Himmel bestand, einer Seifenblase gerade groß genug, dass er sich darin ausstrecken konnte und einem Himmel, der immer dunkler und dunkler wurde, so dunkel, bis schließlich schwärzeste Nacht um Büle herum herrschte.

Büle wurde langsam sehr müde und wollte sich mehr oder weniger bequem zum schlafen in seiner Blase einrollen, als er plötzlich in der Dunkelheit ein helles Licht wahrnahm, ein Licht welches von einer großen, gelben, leuchtenden Kugel ausging, die auf einmal, gar nicht weit entfernt von ihm, am Himmel hing.

(Fortsetzung Donnerstag 15 Januar 2009)

Büle – 3 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 3 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 3 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 2 -)

… Und wer noch genauer hinschaute, erkannte, daß sich ein winzig kleiner Junger in der Seifenblasen befand!

Irgendwie sah der kleine Junge dem alten Mann sehr ähnlich, wenn gleich er auch viel viel kleiner war, denn schließlich mußte er ja in diese Seifenblase hineinpassen. Und vielleicht beruhte diese Ähnlichkeit auch nur darauf, daß er fast genauso bekleidet war wie der alte Mann. Auch er hatte eine lange, rote Zipfelmütze auf dem Kopf, aber seine Jacke war blau und seine Hose rot. Gerade so als hätte man seine Jacke aus den Resten des Stoffes genäht, aus dem die Hose des alten Mannes geschneidert worden war und seine Hose aus den Stoffresten der Jacke des alten Mannes. Und ebenso wie dieser war er barfuß.
Jetzt jedenfalls stand der kleine Junge in seiner Seifenblase, Hände und Füße gegen die dünne, durchsichtige Oberfläche der Blase gepreßt. Seine Augen und sein Mund waren weit aufgerissen, so als könne er überhaupt nicht verstehen, was da mit ihm geschah.

Eingesperrt in einem buntschillernenden Käfig, schwebte er hoch über der Erde, vom Wind höher und höher getragen, dem Himmel entgegen. Und als er sich endlich richtig bewußt wurde in was für einer schlimmen Situation er sich befand, schließlich konnte die Blase jeden Moment platzen und er würde herunterfallen, bekam er plötzlich eine schreckliche Angst und fing an zu schreien:
” Hilfe, Hilfe! “.

Aber niemand umher konnte den Schrei des kleinen Junges hören, der alte Mann nicht, die Sonne nicht, die Berge nicht, ja nicht einmal der Wind. Alle lebten weiter, wie sie bis jetzt immer gelebt hatten, in der Selbstverständlichkeit der ganzen Welt und merkten nicht, daß an diesem Tag etwas Außergewöhnliches geschehen war…

(Fortsetzung Montag 12 Januar 2009)

Büle – 2 -

bubble-boy-02-s

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 2 -

( Bülle – 1 - )

Eine lange, rote Zipfelmütze auf dem Kopf, bekleidet mit einer roten Jacke und einer blauen Hose, barfuß, die Augen geschlossen, der Blick nach innen gerichtet, unermüdlich pustete der alte Mann in sein Bambusröhrchen und eine runde Seifenblase nach der anderen kam bunterschillernd hervor an das Licht der Sonne und zog, sanft vom milden Wind getragen, über das Land.

Dies alles, der Wind, das Licht der Sonne, die Seifenblasen, der alte Mann und der Stein strahlten eine derartige Selbstverständlichkeit aus, daß nichts und niemandem die Frage gekommen wäre, warum eigentlich dieser alte Mann immer dort saß und nichts weiter tat als seine Seifenblasen zu machen. Es war so, und hätte einfach nicht anders sein können, und so wie es war, war es genau richtig, darüber waren sich alle Beteiligten einig.

Und doch …

Doch eines Tages, ein Tag der sich anscheinend von allen anderen Tagen nicht zu unterscheiden vermochte, die Sonne war wie immer frisch und munter aufgegangen, hatte den alte Mann mit einem ihrer warmen Strahlen geweckt und gleich ihm alles andere umher, den Wind, die Pflanzen und den seltsamen Berg mit seinem lustigen Hut.

Ja, an diesem Tag geschah etwas, etwas das nie zuvor geschehen war. Und warum es ausgerechnet an diesem Tag passierte, ausgerechnet dort und dann, konnte niemand auf der Welt sagen. An diesem Tag war eine der Seifenblasen ganz anders als alle anderen. Sie war zwar ebenso schön rund und buntschillernd in der Sonne wie alle anderen und der Wind trug sie gleichfalls sanft über das Land, empor zum Himmel, aber wer genau hinschaute, konnte sehen, daß etwas merkwürdiges in der Blase war

(Fortsetzung Donnerstag 8 Januar 2009)

Büle – 1-

Januar 1, 2009 Kommentare aus
bubble-boy-01-s

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 1 -

Weit weg vom Hier und Jetzt, in einer fernen Ecke von Raum und Zeit, lag ein wundersames Land, wo Natur und Menschen in tiefster Harmonie mit einander lebten. In den Tälern, zwischen sanft geschwungenen Hügeln, tanzten duftende Pflanzen zärtlich ineinander verschlungen, geführt von der leisen Musik des Windes und erfreuten die Herzen der Menschen.

Hoch über allem schwebten federleichte Wolken wie Seidenstreifen und umschmiegten die höchsten, mit ewigem Schnee bedeckten Berge. Hier waren die Tage hell und lang denn die Sonne ging immer sehr spät schlafen in ihrer kleinen Nische hinter dem Horizont und wachte schon nach wenigen Stunden frisch und munter wieder auf, bereit ihre Wärme und Fröhlichkeit mit allen Wesen zu teilen, die es gerne warm und fröhlich hatten.

Man nannte dieses Land “das Land der aufgehenden Sonne”.

In diesem Land , in einem kleinen Tal neben dem sehr hohen, seltsamen Berg, der immer einen lustigen, etwas zerfranzten, schneeweißen Hut trug, -vielleicht trug er den Hut um sich gegen die Sonne zu schützen, denn diese schien ihm oft direkt auf den Kopf!-, dort in diesem Tal also, lebte ein alter Mann. Er war in meilenweitem Umkreis der einzige Mensch, dem man hier begegnen konnte und seit Menschengedenken, war er immer der einzige gewesen. Von morgens bis abends, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und mit der Sonne, dem Wind, den Bergen und den Pflanzen als einzigen Gefährten, saß er auf einem dicken Stein. In der linken Hand hielt er eine Holzschüssel, in der rechten ein Bambusröhrchen , und er verbrachte seine Tage damit Seifenblasen zu machen…

(Fortsetzung Montag 5 Januar 2009)

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.