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Archiv für März 2009

Büle – 21 -

März 26, 2009 1 Kommentar
Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 21 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 21 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 20  -)

Nicht lange darauf wachte er aus einem schrecklichen Alptraum auf: Cloac war ihm als riesiges Gerippe erschienen und wollte ihn bei lebendigem Leibe im Sand begraben!

Noch etwas benommen holte er die Flasche aus der Tasche und stellte beruhigt fest, daß sich Cloac noch darin befand. Trotzdem gelang es ihm nicht wieder einzuschlafen. Also entschloß er sich erst einmal zu der Wegkreuzung zurück zu gehen. Schon von weitem sah er Hibu auf dem Pfahl sitzen und als sie ihn sah flog sie ihm mit lautem “Hibu, Hibu!” entgegen, wahrscheinlich hatte auch sie schlecht geträumt und war froh nun nicht mehr so alleine zu sein.

Nun blieb nur noch eine einzige Richtung. Und dort würde Büle also das finden was er die ganze Zeit suchte, wenn es das hier überhaupt zu finden gab. Und drohend stellte sich in ihm die Frage was denn wäre, wenn er auch am Ende diesen letzten Weges nicht an sein Ziel käme. Diese Ahnung, die ihm eine leise Gänsehaut über den Rücken jagte, lauerte irgendwo in seinem Kopf, ganz dicht neben der Hoffnung und dem Heimweh. Und diesmal, anstatt auf seinem Weg heller zu werden , wie das in allen anderen Richtungen der Fall gewesen war, wurde es dunkler und dunkler. Nicht einmal ein sehr blasser Mond schien am Himmel, es war stock finster geworden und er hörte bald ein fernes:
“HU HIHU HUHU HI HU! “
Geräusche, die sich ein bißchen wie der Schrei der Eule anhörten, aber viel geheimnisvoller und vielleicht so, als hätten abwechselnd oder gleichzeitig Tausende von Eulen geschrien. Büle dachte, nein, es könne nicht richtig sein hier, viel mehr hatte er den Eindruck, sich von seinem Ziel zu entfernen. Aber trotzdem ging Bülle weiter, vielleicht weil er nicht glauben konnte oder glauben wollte, daß er vergeblich gesucht hatte, daß er sich einfach eingebildet hätte, es gebe irgend etwas zu suchen. Nur Hibu war plötzlich ganz munter geworden und flog immer weitere Kreisen über ihm, flog oft nach vorne, dann flog zurück, ungeduldig, schrie, versuchte ihm zu sagen, er solle schneller gehen. Aber statt dessen ging Büle immer langsamer je lauter die Schreie des Ostens wurden und um so dunkler die Luft, bis er irgendwann, endlich, stehen blieb, entsetzt,
unfähig noch einen einzigen weiteren Schritt zu machen.

Vor ihm standen Horrorgestalten, weit häßlicher noch als die Hexe Cloac, als sie am häßlichsten war und schauten ihn mit so viel Haß und Bosheit an, mit so viel mehr Haß und Bosheit als er je bei Cloac gesehen hatte.
Da entschloß er sich, so schnell wie möglich zum Schloss zurückzugehen und dieses nie wieder zu verlassen!

(Fortsetzung Freitag 3 April 2009)

Büle – 20 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 20 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 20 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 19  -)

Er schaute bezaubert dem Spiel der Wellen zu, die schaumgekrönt und mit kleinen Wasserperlen behängt auf und ab wogten, die heran rollten und wieder verebbten. Und weit, weit da hinten, am Horizont, konnte Büle ein rotes Licht am Himmel sehen und wieder erinnerte es ihn an irgend etwas, das sein Herz mit Sehnsucht erfüllte. Es war nun das zweite Mal, daß Büle diese seltsame Empfindung spürte und er begann sich zu fragen, was es wohl sein könne und was es zu bedeuten habe. Er dachte, daß er es vielleicht schon bald wissen würde, wenn er in eine der anderen Richtungen ginge.

So wand Büle seinen Blick von dem phantastischen Schauspiel ab und machte sich auf dem Rückweg. Diesmal blieb er an der Kreuzung nicht stehen, nahm sich keine Zeit zum schlafen und achtete auch nicht auf Hibu, die heftig protestierte, denn diesmal war sie noch nicht so müde, daß sie sogleich eingeschlafen wäre und hatte gehofft, daß sich die lang ersehnte Chance für Cloacs Befreiung ergeben hätte. Sie verstand den plötzlichen Eifer von Büle nicht und fing an an seinen Verstand zu zweifeln. Zwischendurch überlegte sie sogar, ob es unter diesen Umständen nicht doch besser wäre, ihm die Augen aus zu kratzen. Aber sie hatte es gelernt, sich eine Handlung lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig zu überlegen und nie voreilig zu handeln und manchmal, jetzt zum Beispiel, war sie gerne bereit sich daran zu erinnern. Diese Möglichkeit würde ohnehin immer als letzter Ausweg bleiben und ihr fiel ein, daß Cloac sicherlich viel Zeit brauchen würde, um Geduld und Vernunft zu lernen. Vor allem war es doch so, daß sie auch noch nicht das ganze Cloacland gesehen hatte und also konnte die Befreiung noch ein bißchen auf sich warten lassen, wenn sich nicht zuvor eine besonders günstige Gelegenheit ergebe … und so flog sie in Richtung Süden hinter Büle her.

Büle lief und lief. Der Boden war weich und wurde immer weicher, so daß jeder Schritt mehr und mehr Kraft kostete.
Schon lange war es völlig windstill und die Luft heiß und trocken. Der Boden bestand aus Millionen, feinen Körnern solchen wie schon vorhin am Strand. Aber hier war es nicht angenehm zu laufen. Das Kitzeln unter seinen Füßen war längst zu einem Brennen geworden und es lag ein erdrückender Geruch über allem. Als Büle sich mitten in der Wüste befand -denn nach Süden ging es in die “Wüste”, wie die Erdenwesen sagen- sah er eine stachelige Pflanze, die ihn wieder an etwas erinnerte, etwas das er schon irgendwo irgendwann gesehen haben mußte, dieses gewisse Etwas bei dem ihn immer ein sehnsüchtiges Gefühl überkam. Und auf einmal verstand Büle, daß er sich auf der Suche nach diesem Etwas befand und glaubte hier auf dem richtigen Weg zu sein.

Er begann zu rennen, aber in dem Sand war es schwer, und es wurde immer schwerer und die Luft immer heißer und trotz größter Anstrengungen kam er nur noch langsam voran. Sogar Hibu war die Luft ausgegangen. Sie saß jetzt auf dem Kopf von Büle und ließ sich tragen, heulend und schimpfend, daß es so nicht weiter gehen könne. Nur Cloac, immer noch in der Flasche eingesperrt, hatte nichts zu klagen. Sie saß giftgekühlt in ihrer Flasche und war in eine tiefe Meditation versunken oder in einen endlosen Traum, denn sie zappelte gar nicht mehr.
Nach einigen weiteren Schritten sah Büle beängstigende Dinge im Sand, und einer davon war genau das, was er auf der Giftflasche abgebildet gesehen hatte: ein Totenkopf!

Und ohne zu wissen warum -denn Büle wußte nicht was ein Totenkopf ist- erschrak er sehr.
Hibu stieß einen entsetzlichen Schrei aus, ganz nach Cloacs Art, verließ ihre Stellung auf Büles Kopf und flog davon. Weg! In die Richtung aus welcher sie gekommen waren. Ohne weiter nachzudenken drehte sich Büle um und folgte ihr, sein Herz schlug wie wild vor Angst und er rannte und rannte bis dieses bedrückend, unangenehme Gefühl endlich nachließ. Schließlich verschreckt, erschöpft und müde ließ er sich zu Boden fallen und schlief sofort ein.

(Fortsetzung Donnerstag 26 Maerz 2009)

Büle – 19 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 19 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 19 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 18  -)

Also lief Büle den ganzen, langen Weg bis zu dem Schild zurück wo er sich erschöpft zu Boden fallen ließ. Alles war so aufregend und anstrengend gewesen, daß er jetzt dringend ein bißchen ausruhen mußte. Und eh er sich versah war er eingeschlafen.

Hibu, die die ganze Zeit so wild durch die Luft gewirbelt worden war und wenn sie nicht gerade mit dem Wind kämpfen mußte, intensiv über die Befreiung von Cloac nachgedacht hatte, war jetzt ebenfalls viel zu müde, als daß sie die Gelegenheit ausnutzen konnte, die Flasche aus Bülles Tasche zu entwenden. Wenn er wach war war es unmöglich gewesen, denn er hatte immer beide Hände in den Jackentaschen, die eine fest um die Flasche geschlossen, so als ahnte er was Hibu im Schilde führte.

Am nächsten Tag, das heißt genauer, irgendwann später, denn Tage gab es nicht mehr im Cloacland, nur Nächte, wachten Büle, Cloac und Hibu wieder auf und nach kurzem Zögern entschloß sich Büle diesmal nach Westen zu gehen. Der Weg ging immer geradeaus und war ebenso lang wie derjenige der nach Norden führte. Büle merkte, daß es auch in dieser Richtung ein ganz kleines bißchen heller wurde und irgendwie begann der angenehm frische Wind ihm einen fremden Geruch zu zutragen. Es lag etwas in der Luft, das sehr angenehm roch und Büle fühlte sich auf einmal richtig wohl. So er ging mit eiligen Schritten neugierig weiter.

Schon bald hörte er ein sonderbares Rauschen, ein Geräusch, wie er es nie zuvor gehört hatte, etwas, das sich weder wie das entsetzliche Geschrei von Cloac, noch wie das Flattern der Flügeln oder das Heulen von Hibu anhörte. Es war ein eigenartig beruhigendes Rauschen, das immer lauter würde, je weiter er nach Westen kam.
Bald darauf stand Bülle an einem weiten Strand, und er genoß es sehr auf dem Sand zu laufen, es prickelte so schön unter den bloßen Füßen und war weich und ein bißchen warm. Er ging auf dem Sand bis er schließlich direkt vor dem Meer stand, dessen heran brausende Wellen mit langen Schaumzungen an seinen Füßen leckten. Die Meter hohe Brandung brach sich vor seine Augen und das Wasser fiel mit atemberaubenden Getöse in sich zusammen.

Dies alles hatte etwas faszinierendes und gleichzeitig erschreckendes an sich und Büle blieb, trotz seiner Angst und dem Wissen, daß es hier nicht weiterging, eine ganze Weile gebannt stehen.

(Fortsetzung Donnerstag 19 Maerz 2009)

Büle – 18 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 18 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 18 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 17  -)

Und da stand er da, das erste Mal in seinem Leben mit der Frage im Kopf:

wohin?

So warteten sie alle drei an der Kreuzung, Hibu auf dem Schild, Bülle auf der Erde und Cloac in seiner Tasche. Cloac, die anfangs vor lauter Wut und Ungeduld in ihrem Fläschchen wild herum geschrien und gezappelt hatte, war als sie plötzlich den bitteren Geschmack des Giftes auf den Lippen schmeckte augenblicklich ruhig geworden und nutzte nun die Gelegenheit, Geduld und Vernunft zu lernen, oder, was noch wahrscheinlicher war, sie dachte sich einen teuflischen Plan gegen Büle aus!

Während dessen merkte Bülle, wie etwas in seinem Kopf geschah, irgend etwas unerklärliches, das ihn ein bisschen an das Gefühl erinnerte, das er gehabt hatte, als er in seiner Seifenblase plötzlich anfing zu wachsen.
Er spürte wie sich etwas bewegte, und wie dieses Etwas versuchte sich aus seinem Kopf zu befreien. Und dann war es da. Es war die Antwort auf die allererste Frage, die Büle sich je gestellt hatte und diese lautete:

“Alle Richtungen sind gleich. Wähle eine beliebige und du wirst merken ob es deine Richtung ist. Wenn nicht, dann mußt du hierher zurückkehren und die nächste Richtung ausprobieren.”

Wenn es egal ist, dachte Bülle, dann gehe ich einfach hier entlang und ohne es zu wissen ging er nach Norden. Hibu, nach der kurze Pause wieder voller Tatendrang war froh, daß es jetzt endlich weiter ging und sie war fest entschlossen, Bülle nicht aus den Augen zu lassen. Sie flog in Kreisen über ihm dahin und zwischen all den neuen Dingen die sie sah, achtete sie immer wieder darauf, ob sich nicht eine Möglichkeit ergebe, Cloac aus der Flasche zu befreien.
Büle aber ging und ging, und hatte die Hände in den Taschen, ging immer geradeaus nach Norden.
Die Luft wurde kälter und der Wind begann ihm hart ins Gesicht zu wehen und zerzauste Hibus Gefieder.
Ihr machte das Fliegen so langsam keinen Spaß mehr, sie war ein Schönwettervogel und mochte keine heftigen Böen, die sie herum wirbelten und aus dem Gleichgewicht zu bringen drohten.

Und auch für Büle wurde es beschwerlicher, denn der Weg war steinig und steil.
Dann aber sah er plötzlich riesige Felsblöcke vor sich in den Himmel aufragen. Hier verlor sich der Weg und es ging nicht mehr weiter.
Diese Felsblöcke, das was die Erdenwesen „Berge” nennen, erinnerten ihn an irgend etwas, doch er wusste nicht woran, es war das komische Gefühl, sowas schon einmal gesehen zu haben. Ganz weit hinter den Bergen konnte er einen schmalen, helleren Streifen am Himmel sehen, ganz anders als in Cloacland, wo es immer dunkel war, was, wie wir ja wissen, daran lag, dass Cloac die Sonne aus Versehen weg gezaubert hatte. Und das Licht hinter den Bergen, weckte in Büle dieses gewisse Gefühl, das wir Sehnsucht nennen wollen, oder vielleicht besser Heimweh, doch Büle selbst wusste nicht was es war.

Aber Büle mußte umkehren, zurück zu dem Schild an der Kreuzung, denn es war ganz offensichtlich, hier konnte er nicht weiterkommen.

(Fortsetzung Donnerstag 12 Maerz 2009)

Büle – 17 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 17 -

Eine vertraeumte Geschichte, by Miki - 17 -

(Büle – 1 -)     (Büle – 16  -)

So befanden sich alsbald unsere drei Helden außerhalb des Schlosses, die Eule vorne in der Luft, Bülle hinter ihr her rennend auf der Erde und Cloac ordentlich durchgeschüttelt in ihrer Flasche drinnen in seiner Tasche.

Sie gingen immer gerade aus und Büle hatte bald nicht mehr die geringste Ahnung wo sie sich überhaupt befanden. Er wurde nur ein bißchen traurig als er irgendwann einmal zum Himmel empor schaute und sich plötzlich an die große gelbe Kugel erinnerte, die ihm damals am Himmel begegnete, und nun ganz blaß und gar nicht mehr so kugelig war und deren Augen hinter einem grauem Schleier versteckt lagen. Ich muß dazu sagen, daß Büle, bei der Landung auf dem Turm des Schlosses, einen derartigen Schock bekommen hatte, daß er dabei das Gedächtnis verlor und sich jetzt kaum noch an irgend etwas erinnern konnte, das vor der Landung geschehen war. Er wußte weder etwas von dem Flug auf dem Besen, noch von dem Zusammenstoß, weder etwas davon in einer Blase durch die Luft geschwebt zu sein, noch von den Land der aufgehenden Sonne. Aber als er den Mond da oben sah stieg ein wehmütiger Erinnerungsfunke in ihm auf, etwas das von ganz weit weg zu kommen schien.

Bülle verstand nicht warum er sich so fühlte, denn er wußte gar nichts von allen diesen Gefühlen, die Erdenwesen in ihrem Leben empfinden, wußte nichts von Freude, Traurigkeit, Sehnsucht, Liebe, Haß, oder Angst.
Er wußte nur, daß es ihm schon öfter ganz schrecklich gegangen war, zum Beispiel als er auf dem Tisch in seiner Blase eingeschlossen saß und Cloac ihn anstarrte, und vor allem als sie dann so entsetzlich schrie. Er erinnerte sich
weiterhin, wie er sich schon viel besser fühlte, als er ganz groß auf den Tisch hockte, erinnerte sich auch an den häßlichen Ausdruck auf dem Gesicht der Hexe, als sie wegrannte, oder in dem Augenblick in dem er die Flasche wieder verkorkte. Und jetzt, beim Anblick des Mondes spürte er, daß es ihm irgendwie anders ging, ohne sich allerdings zu fragen, was es denn sei und wieso und warum und woher und wohin.

Und während er noch so nachsann kam er plötzlich an eine Kreuzung. Bis jetzt war er immer nur hinter Hibu hergegangen, die querfeldein gerade aus flog und dabei natürlich nicht auf irgendwelche Wege achten brauchte. Nun aber war er an einer Stelle angelangt die etwas besonderes war und er hielt einen Moment lang inne. Hier stand ein Schild, das in vier verschiedenen Richtungen wies. Ein Schild aus vier Pfeilen und auf den Pfeilen waren sonderbare Zeichen geschrieben, die ein normales Erdenwesen, das auch lesen konnte, sofort als Norden, Westen, Osten und Süden erkannt hätte. Aber Büle war kein normales Erdenwesen und lesen konnte er sowieso nicht.
Hibu war auch nicht mehr weiter geflogen sondern hatte das Schild als günstige Gelegenheit einer Rast betrachtet und saß nun oben auf den Pfahl und blinzelte Büle ermunternd zu, gerade so als wolle sie sagen:

“Jetzt wähle du mal aus wie es weitergehen soll!”

(Fortsetzung Donnerstag 05 Maerz 2009)

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