Büle – 19 -
…
Also lief Büle den ganzen, langen Weg bis zu dem Schild zurück wo er sich erschöpft zu Boden fallen ließ. Alles war so aufregend und anstrengend gewesen, daß er jetzt dringend ein bißchen ausruhen mußte. Und eh er sich versah war er eingeschlafen.
Hibu, die die ganze Zeit so wild durch die Luft gewirbelt worden war und wenn sie nicht gerade mit dem Wind kämpfen mußte, intensiv über die Befreiung von Cloac nachgedacht hatte, war jetzt ebenfalls viel zu müde, als daß sie die Gelegenheit ausnutzen konnte, die Flasche aus Bülles Tasche zu entwenden. Wenn er wach war war es unmöglich gewesen, denn er hatte immer beide Hände in den Jackentaschen, die eine fest um die Flasche geschlossen, so als ahnte er was Hibu im Schilde führte.
Am nächsten Tag, das heißt genauer, irgendwann später, denn Tage gab es nicht mehr im Cloacland, nur Nächte, wachten Büle, Cloac und Hibu wieder auf und nach kurzem Zögern entschloß sich Büle diesmal nach Westen zu gehen. Der Weg ging immer geradeaus und war ebenso lang wie derjenige der nach Norden führte. Büle merkte, daß es auch in dieser Richtung ein ganz kleines bißchen heller wurde und irgendwie begann der angenehm frische Wind ihm einen fremden Geruch zu zutragen. Es lag etwas in der Luft, das sehr angenehm roch und Büle fühlte sich auf einmal richtig wohl. So er ging mit eiligen Schritten neugierig weiter.
Schon bald hörte er ein sonderbares Rauschen, ein Geräusch, wie er es nie zuvor gehört hatte, etwas, das sich weder wie das entsetzliche Geschrei von Cloac, noch wie das Flattern der Flügeln oder das Heulen von Hibu anhörte. Es war ein eigenartig beruhigendes Rauschen, das immer lauter würde, je weiter er nach Westen kam.
Bald darauf stand Bülle an einem weiten Strand, und er genoß es sehr auf dem Sand zu laufen, es prickelte so schön unter den bloßen Füßen und war weich und ein bißchen warm. Er ging auf dem Sand bis er schließlich direkt vor dem Meer stand, dessen heran brausende Wellen mit langen Schaumzungen an seinen Füßen leckten. Die Meter hohe Brandung brach sich vor seine Augen und das Wasser fiel mit atemberaubenden Getöse in sich zusammen.
Dies alles hatte etwas faszinierendes und gleichzeitig erschreckendes an sich und Büle blieb, trotz seiner Angst und dem Wissen, daß es hier nicht weiterging, eine ganze Weile gebannt stehen.
…
